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Mooryc im Interview für artistxite.de

Moory gab ein Interviw für das artistxite.de. Hier könnt ihr es nachlesen »


Das Debütalbum des polnischen Sängers und Produzenten präsentiert lupenreinen Pop

Auf seinem Debütalbum erforscht der in Berlin lebende polnische Produzent und Multiinstrumentalist Maurycy Zimmermann alias Mooryc unterschiedliche Schattierungen von elektronischem Pop. Die zehn Songs sind melancholisch und voller eingängiger Melodien, mit Zimmermanns sehnsüchtigem, von Indie Pop-beeinflusstem Gesang als Zentrum inmitten dicht übereinander geschichteter Pads und grobkörniger Soundscapes. Höhepunkte sind „Jupiter“ oder „Powerless“, zwei großartige Pop-Songs, während „Limbo Pt.1“ eine burialeske UK Garage Seite zeigt. „Roofs“ ist ein wundervoll eklektisches Album, das die musikalischen Genres, von denen es eindeutig beeinflusst ist (seien es House, Electronica oder UK Garage), in packenden Popsongs transzendiert.

artistxite: Im Infotext zu „Roofs“ steht, dass es dir bei deinem Album eher um ein Konzept als um eine Story ging. Kannst du erläutern, was damit gemeint ist? Was ist das Konzept, das du im Kopf hattest oder hast, und inwiefern steht es mit der musikalischen Erzählung auf „Roofs“ in Beziehung?

Mooryc: Ich wollte ein Album machen, das einfach fließt. Ein Album, das man hören kann, als wenn es eine musikalische Geschichte wäre, eine Erzählung. Ein Album, das dich irgendwohin mitnimmt, und du dich sofort daran erinnerst, wie das Wetter war, als du es zum ersten Mal gehört hast, wenn du es in ein paar Jahren noch einmal anmachst. Es ging nicht so sehr um die Texte oder eine Geschichte, die tief in mir drinnen steckt und raus musste. Ich wollte eher einen wiedererkennbaren Sound kreieren, der kraftvoll genug ist, um das Gefühl einer Verbindung zwischen dem Hörer und dem Album herzustellen.

artistxite: Was war für dich die größte Herausforderung, während des Produktionsprozesses? Und wie bist du damit umgegangen?

Mooryc: Die größte Herausforderung war, das Album fertig zu stellen. Loszulassen und zu sagen, das ist es jetzt. Es war schwer für mich zu akzeptieren, dass das Album fertig ist und ich nichts mehr, auch nicht die kleinste Kleinigkeit, an diesem Projekt ändern kann. Ein Projekt, das dann als mein Debütalbum gilt. Alle Albumtracks waren eigentlich schon zwei Monate, bevor ich sie dem Label geschickt habe, fertig. Ich habe sie mir einfach immer und immer wieder angehört, auf der Suche nach kleinen Fehlern, besseren Lösungen für Breaks oder um die Bass-Sounds noch kraftvoller zu machen und generell den Klang im Mix zu optimieren. Wieder und wieder. Wenn du zwei Monate damit zubringst, fängt es an dich verrückt zu machen. Alles, an das du denken kannst, sind diese Songs, die du eigentlich endlich aufhören möchtest, dir wieder und wieder anzuhören, aber du machst immer weiter, damit das Album noch besser klingt.

artistxite: Freude am Tanzen ist ein Label, das in Deutschlands Deep- und Tech- House-Szene verwurzelt ist. Zwei Stile, die man auf „Roofs“ beim besten Willen nicht finden kann. War es eine bewusste Entscheidung von dir, eher eklektische und poppige Ecken der elektronischen Musik für dein Album anzusteuern?

Mooryc: Thomas Sperling, der Chef von Freude am Tanzen, hat es mir wirklich einfach gemacht. Er meinte, ich könne machen, was ich wolle. Er hat von mir nicht verlangt, dass ich meinen Sound irgendwie mit dem sonstigen musikalischen Profil des Labels abgleiche. Er war voll zufrieden, als ich ihm das Album geschickt habe, und wollte auch nicht, dass ich irgendwas ändere. Das waren die besten Vorraussetzungen, die ich mir zum arbeiten vorstellen kann. Ich kann nicht sagen, dass ich ein großer Fan von Deep House/Tech House wäre. Mich hat Pop, so weit gefasst dieser Begriff auch sein mag, immer mehr angesprochen, von daher war es ein natürlicher Prozess für mich, dass „Roofs“ so klingt wie es klingt.

artistxite: Sind das Schreiben von Texten und Songs zwei unterschiedliche Sachen für dich, oder geht das Hand in Hand?

Mooryc: Wenn ich einen Song schreiben will, setze ich mich normalerweise ans Klavier oder nehme mir meine Gitarre und fange einfach an zu singen und dazu zu spielen. Manchmal entsteht dabei ein kompletter Song. Dann setze ich mich an meinen Computer, nehme Instrumente und Gesang auf und arrangiere das Ganze, bis der Song fertig ist. So war es zum Beispiel bei „Jupiter“. Es hat gerade mal einen Tag gedauert, den Song zu schreiben und fertig zu produzieren. Natürlich habe ich noch weiter an ihm gearbeitet, damit er richtig gut klingt, aber die Basis war vom ersten Tag an da. Normalerweise brauche ich aber länger, um Texte und Gesangsmelodien zu schreiben. Ich habe sehr viele unfertige Projekte, die ich gerne mit Vocals weiter entwickeln würde. Die höre ich mir hin und wieder an und singe dazu. Manchmal passieren dabei gute Sachen. Wenn ich mir das jetzt anschaue, dann scheint es als ob man einfach einen guten Tag mit viel positiver Energie oder inspirierenden Erlebnissen vom Vortag erwischen muss, um einen Song an nur einem Tag fertig zu machen. Und für mich ist es absolut entscheidend, das ich mich nicht hinterfrage. In dem Fall entwickelt sich das Songschreiben nämlich zu einem einzigen Kampf in mir. Und am Ende gibt es kein positives Resultat.

artistxite: Was macht für dich einen guten Song aus, muss er ein gewisses Maß an Melancholie transportieren?

Mooryc: Nicht wirklich. Die Beatles sind ein gutes Beispiel. Ihre ersten Alben waren voller energetischer, positiver, kraftvoller und perfekter Songs. Oder Bobby McFerrin. Oder Sting. Oder Stevie Wonder. Ein perfekter Song lässt dich einfach nicht los, der Hunger nach ihm vergeht nicht und du musst ihn immer wieder hören.

artistxite: Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Mooryc: Ich hoffe, dass ich ich einfach das weiter machen kann, was ich am meisten liebe: das Produzieren. Ich findige ständig neue Dinge in der heutigen, unglaublich reichhaltigen Musikwelt. Neue Technologien, neue Menschen, neue Ideen, neue Möglichkeiten und neue Wege mich zu motivieren, weiter zu machen. Ich musste vor kurzem aus meinem Studio in Berlin ausziehen, von daher habe ich momentan keinen Platz, wo ich arbeiten kann. Ich versuche diese Auszeit zu nutzen, um ein bisschen runter zu fahren und ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen, bevor ich mich wieder ins Produzieren stürze. Aber ich habe das Gefühl, dass es so langsam an der Zeit ist, wieder mit dem Arbeiten anzufangen. Ich muss nur noch einen Raum finden, wo ich das machen kann.